Im Rahmen des Verbundprojekts "Lebensphasenhaus" wollen Wissenschaftler der Universität und des Universitätsklinikums Tübingen (UKT) untersuchen, wie technische Assistenzsysteme ein selbstbestimmtes Wohnen im Alter unterstützen können. Sie arbeiten dabei eng mit Unternehmen der Region zusammen. Am 18. Mai weihte die baden-württembergische Sozialministerin Katrin Altpeter das gleichnamige Forschungsgebäude ein, welches der Kern des Projektes ist.

Das "Lebensphasenhaus" auf der Tübinger Rosenau ist ein Gebäude zu Forschungs- und Demonstrationszwecken: Hier können sowohl der Einsatz technischer Assistenzsysteme als auch damit einhergehende Dienstleistungen getestet, validiert, demonstriert und erlebbar gemacht werden. Zudem bietet das Gebäude Raum für Lehrveranstaltungen sowie Schulungen für Pflegekräfte, Ärzte oder Handwerker. Das Haus ist der Kern des gleichnamigen, mit 550 000 Euro vom Land Baden-Württemberg geförderten Projektes. Die Planer des Forschungsgebäudes griffen auf das Fertighauskonzept "Flying Spaces" von Schwörer zurück. Wohn-, Büro, oder Freizeitwürfel dieses Typs werden im Schwörer-Werk komplett fertiggestellt (bei Bedarf bis hin zur Möblierung) und mit einem Kran aufgestellt. Außer Punktfundamenten und den Hausanschlüssen muss am Bauplatz nichts vorbereitet werden. Sobald das Modul an seinem Platz steht, wird es nur noch an Wasser, Elektrizität und Medien angeschlossen. Die flexiblen Module können bausteinartig erweitert, gestapelt und gruppiert werden. Beim "Lebensphasenhaus" nimmt ein "Flying Space" alle Installationen in Küche, Bad und Gäste-WC auf – im Werk vorgefertigt inklusive Wandbelägen, aller Kücheneinbauten und Sanitärobjekten, die im Rahmen des Projektes konzipiert wurden.

Im barrierefrei, dabei aber wohnlich und in freundlich-fröhlicher Farbpalette geplanten Forschungsgebäude in Tübingen spielen wohngesunde, natürliche Materialien und der ökologische Baustoff Holz eine wichtige Rolle. Von außen fällt das zweigeschossige Gebäude vor allem durch seine kubische Architektur mit Holzlamellenfassade auf. Die kontrollierte Be- und Entlüftung sorgt für ein ausgeglichenes Wohnraumklima und gesunde, gefilterte Luft. Sicherheitsaspekte berücksichtigt die Haustür mit Zugangskontrolle über Kamera und Sprechanlage. Mithilfe von Technik soll auch die virtuelle wie tatsächliche Mobilität unterstützt werden. Dies ermöglichen z.B. der Hauszugang per Fingerabdruck-Scanner und die schnelle Verbindung zu unterschiedlichen Dienstleistern wie auch die barrierefreie Küchen- und Badezimmergestaltung, der rollstuhlgängige Plattform-Treppenlift und – ganz wichtig - LED- Lichtleitsysteme zur Orientierung. Angeregt durch die Erfahrungen aus dem Forschungsprojekt hat Schwörer bereits ein erstes altersgerechtes "Flying Space" für den Fertighausmarkt entwickelt, das Assistenzsysteme und Barrierefreiheit berücksichtigt.

Die Bestuhlung des Gebäudes stammt von Interstuhl Büromöbel. Die vor allem auf ergonomisch optimale Gestaltung für alle Lebensalter von Menschen mit und ohne Behinderung gestaltete Küche stammt von Tielsa. Elektrisch höheneinstellbare Elemente sorgen für ergonomisch günstiges, bequemes und ermüdungsfreies Arbeiten und zugleich für mehr Unfallvorbeugung in der Familienküche. Dank der Höhenverstellung hat der Arbeitstisch immer die optimale Höhe. Auch vor dem Kochfeld oder der Spüle entlastet es den Rücken, wenn die Arbeitshöhe der Körpergröße des Benutzers angepasst ist. Aber auch am Detail wurde gearbeitet. Ob es sich um Schubladeneinsätze und -einteilungen handelt, die helfen, den Stauraum optimal zu nutzen und Ordnung zu schaffen, oder darum, Gefahrenquellen für Kinder zu minimieren, indem z.B. der Messerblock in der Arbeitsplatte versenkt untergebracht ist und einfach auf leichten Druck ausfährt, wenn dieser gebraucht wird. Die Schranktüren reagieren ebenfalls auf Druck und schwenken nach oben, sodass sie nicht störend in den Raum ragen. Zudem kann so der Stauraum optimal genutzt werden.

Wie Schwörer Haus erklärt, wird das Thema bezahlbares selbstbestimmtes Wohnen immer wichtiger in einer alternden Gesellschaft. Das Unternehmen reagiert nach eigenen Angaben seit Jahren mit optional barrierefreier Ausstattung seiner Häuser auf den demografischen Wandel. Bereits 2006 wurde das erste barrierefreie Schwörer-Musterhaus am Firmenhauptsitz in Hohenstein Oberstetten eröffnet. "Wir als Hausbauunternehmen sind gefragt, praktikable, bezahlbare Komplettlösungen zu erarbeiten und anzubieten", sagt Geschäftsführer Johannes Schwörer. Deshalb beteilige sich das Unternehmen wie beim "Lebensphasenhaus" regelmäßig an Kooperationen und Forschungsprojekten zum Thema zukunftsweisendes Wohnen - dabei immer im Blick: die Themen Nachverdichtung, flexible Wohnkonzepte, gesundes Wohnen, Ökologie und Energie sowie neue Wohnformen wie das Inklusive Wohnen, das z.B. junge Familien mit Kindern und ältere Menschen mit Handikap zum Vorteil aller zusammenführt.

Zum Konzept des "Lebens-Phasen-Hauses" gehört, dass sich Bürger vor Ort über den Einsatz von Technik und Dienstleistungen für ein selbstbestimmtes Wohnen in allen Altersphasen informieren können. Ein erster "Tag der offenen Tür" ist für den 5. Juli geplant.

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